{"id":1,"date":"2025-10-08T12:19:49","date_gmt":"2025-10-08T12:19:49","guid":{"rendered":"https:\/\/okej.blog\/?p=1"},"modified":"2025-11-27T08:52:28","modified_gmt":"2025-11-27T08:52:28","slug":"einen_scheiss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/okej.blog\/index.php\/2025\/10\/08\/einen_scheiss\/","title":{"rendered":"Einen Schei\u00df muss ich\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p>Rein \u00e4u\u00dferlich ist es ein normaler Mittwoch. Fr\u00fchsommer, freundlich, Sonnenstrahlen fallen durchs Fenster und alles ist vorbereitet. Susa bereitet immer vor. Das Geschenk ist verpackt, ein Kissen mit einer Katze in verschwommener Aquarell-Optik, unhandlich verpackt in einem deutlich zu gro\u00dfem Karton. Susa meint, Tante Mimi mag Katzen und Kissen und Aquarelle, also w\u00e4re das das perfekte Geschenk. Die Klamotten liegen bereit, was ich gar nicht leiden kann, weil es Klamotten sind, die ich nicht anziehen w\u00fcrde \u2013&nbsp;deswegen hat Susa sie ja bereitgelegt. Die Verbindung ist herausgesucht, mit Puffer versteht sich, man kommt nicht zu sp\u00e4t zu Familienfeiern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch ich habe auf ihr wiederholtes Dr\u00e4ngen schon vor einer Woche meinem Chef Adi gesagt, dass ich an diesem Mittwoch etwas fr\u00fcher werde gehen m\u00fcssen, Tante Mimi wird 75. \u201eMittwoch?\u201c hat Adi gefragt, \u201ewarum nicht Samstag?\u201c. Was soll ich sagen. Sie hat nun mal am Mittwoch und Tante Mimi feiert seit 75 Jahren ihren Geburtstag dann, wenn sie ihn hat. Das behauptet zumindest Susa, und sie muss es ja wissen, es ist ja in erster Linie ihre Tante.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>An Tante Mimi liegt es auch nicht. Sie h\u00e4tte das alles nicht gewollt. \u201eAch, das ganze Brimborium braucht kein Mensch\u201c sagt Tante Mimi immer und macht dabei mit beiden H\u00e4nden so eine Handbewegung, als w\u00fcrde sie etwas nach hinten \u00fcber ihre Schultern werfen. Aber organisier mal eine Familienfeier, ohne dass es zu Brimborium kommt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich fr\u00fcher gehen will, ist Adi nicht zu finden, nicht in seinem B\u00fcro (da ist er selten), nicht beim Rauchen, nicht an der Kaffeemaschine, nicht auf dem Klo. Er war es doch, der unbedingt noch kurz \u00fcber die wichtige Pr\u00e4si morgen reden wollte, f\u00fcr den wichtigen Kunden \u2013 knallen muss die, sagt Adi immer, flashen, in die K\u00f6pfe rein ballern, wir blasen die kreativ auf einen anderen Planeten, sagt Adi immer, die Fresse muss denen offen stehen bleiben, so dass sie gar nicht anders k\u00f6nnen, als mit uns \u2013 Peng alter, w\u00fcrde Adi sagen \u2013 w\u00e4re Adi da.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Susa schreibt: \u201eWo bleibst Du.\u201c Es ist besser jetzt zu gehen. Ich wei\u00df ja, wie das ist, wenn du gerade so halb den Rucksack, die Hand auf dem Weg zur T\u00fcrklinke, dann kommt dieses: \u201ehast Du noch kurz zwei Minuten\u201c. Und zwei Minuten, die hat man ja immer.<\/p>\n\n\n\n<p>Das erste Brimborium sind die von Susa bereitgelegten Klamotten. Ich will mich gar nicht aufregen, nein, sie meint es ja lieb, sie denkt halt mit, das muss man auch verstehen. Sie will ja nur, dass ich einen guten Eindruck mache, bei Tante Mimi und bei allen anderen Tanten, Onkeln, Eltern, Geschwistern und entfernteren Verwandten sowie eingeheirateten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich f\u00e4nde ich es sch\u00f6ner, wenn ich mir selbst aus meinem Schrank \u2026 also, es sind ja meine Klamotten, die ich anziehe. Aber da muss man ja jetzt nicht das ganz gro\u00dfe Fass aufmachen \u2026 stell dich nicht so an, sage ich mir. Wenn es dem Frieden dient. Aber das Problem ist weitl\u00e4ufiger.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Klamotten habe ich gemeinsam mit Susa \u2013 ich war frisch verliebt \u2013 gekauft, als Onkel Willibald \u2013&nbsp;Tante Mimis Mann \u2013 75 wurde, seitdem \u2013 das ist etwa 2,5 Jahre her, h\u00e4ngen sie im Schrank. Sie haben sich \u2013 anders als mein K\u00f6rper \u2013 meinen ver\u00e4nderten Lebensumst\u00e4nden nicht angepasst. Der neue Job, Susa, das bessere Gehalt, der gr\u00f6\u00dfere Fernseher, weniger Zeit f\u00fcr Sport. \u201eDas ist die einzige anst\u00e4ndige Hose in deinem Schrank\u201c sagt Susa. \u201eEs ist die einzige Hose in meinem Schrank, die mir nicht so richtig passt\u201c sage ich.\u201c Es n\u00fctzt nichts. Nichts ist an diesem Tag so m\u00e4chtig, wie Tante Mimis Geburtstag.<\/p>\n\n\n\n<p>Du zw\u00e4ngst Dich also in die Hose rein, \u00fcberlegst, ob Du einen G\u00fcrtel anziehen sollst, damit du notfalls den Knopf aufmachen kannst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Da schreibt Adi: \u201eWo bist Du? Ich suche Dich \u00fcberall!\u201c&nbsp;<br>Ich antworte kurz: \u201eNa Geburtstag Tante Mimi\u201c<br>Ich finde meinen G\u00fcrtel nicht, frage Susa, wo der G\u00fcrtel ist.&nbsp;<br>Susa sagt sichtlich angespannt: \u201eDas f\u00e4llt Dir jetzt ein\u201c&nbsp;<br>Adi fragt: \u201eWer ist Tante Mimi\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schreibe Adi, wer Tante Mimi ist. Susa sagt: \u201eZieh dich mal lieber endlich an\u201c und gibt mir den G\u00fcrtel. Ich will meine Nachricht gerade versenden, da kommt von Adi: \u201eWo ist die Pr\u00e4si f\u00fcr morgen?\u201c Logisch, Tante Mimi ist ihm v\u00f6llig Wurst. Ich tippe neu: \u201eAbgelegt, Server.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich ziehe das Hemd an. Vor dem Spiegel stelle ich fest, dass der Stoff auf dem Weg von Knopf zu Knopf verzweifelt versucht, Abk\u00fcrzungen zu nehmen. Seine eigentliche Aufgabe nimmt er dadurch, im wahrsten Sinne des Wortes, nur noch l\u00fcckenhaft wahr.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMan kann den Bauchnabel sehen\u201c sage ich zu Susa. Sie meint ich solle nicht wieder anfangen zu nerven.&nbsp;Adi schreibt: Ist das der aktuelle Stand?&nbsp;<br>Meine Antwort: \u201eJa, wenn Datum von heute.\u201c&nbsp;<br>Susa sagt: \u201eJetzt leg halt das Handy mal weg.\u201c<br>\u201eIch check es nicht\u201c schreibt Adi.&nbsp;<br>\u201eIch rufe gleich an\u201c, schreibe ich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg zur U-Bahn dauert drei Minuten. Susa versucht ihn in zwei Minuten zu schaffen. \u201eWas schnaufst Du so\u201c fragt Adi. Ich sage ihm, dass ich ein Katzenkissen in einem Karton dabeihabe, den man mit einer Hand kaum tragen kann, Klamotten anhabe, die die Atmung einschr\u00e4nken, eine Freundin, die ihr Lebensgl\u00fcck vom Erwischen der n\u00e4chsten U-Bahn abh\u00e4ngig macht und Bluetooth Kopfh\u00f6rer, die jeden Moment aus dem Kopf fallen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Adi glaubt ich will ihn verarschen. Die Pr\u00e4si morgen sei wichtig, Da geht es um alles. Richtungsweisend ist die! Wenn wir da performen, ja dann. Jedenfalls wichtiger als Tante Mimi, findet er. \u201eDas sieht meine Freundin anders\u201c sage ich. Das bringt ihn erst so richtig in Fahrt: \u201eDas geht so nicht, da musst Du nochmal ran, so k\u00f6nnen wir nicht an den Start gehen, ich setzte mich nicht hin und rette deinen Arsch. Da h\u00e4ngen Arbeitspl\u00e4tze dran.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Ich frage mich, wie gut man wohl die Schwei\u00dfflecken sieht, bei der hellen Hose und dem dunkelblauen Hemd. Susa versch\u00e4rft nochmal das Tempo. \u201eDas wird knapp sagt sie\u201c. Meine Lackschuhe sind nicht nur albern, man hat damit auch keinen Halt. \u201eWieso meinen Arsch\u201c frage ich Adi. Man h\u00f6rt die U-Bahn einfahren. \u201eBeweg dich\u201c sagt Susa\u201c, sprintet die Treppe hinunter. \u201eWessen Arsch denn sonst\u201c fragt Adi. Ich muss das Kissen in beide H\u00e4nde nehmen und hochhalten, damit ich die Stufen sehe. Am Ende der Treppe, das Kissen, die Lackschuhe, die Hektik, ich komme ins Stolpern, schon vorn \u00fcbergebeugt kann ich mich mit zwei drei gro\u00dfen Schritten gerade so fangen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist es aber so, dass mein Handy sich \u2013 aufgrund der angespannten Hosensituation \u2013 nicht in der Hosentasche, sondern vorne in der Hemdtasche befindet. Und als ich so am Stolpern bin, als Susa gerade in die U-Bahn hineinspringt, als Adi gerade noch allen Ernstes fragt, wieso ich denn einfach fr\u00fcher abhauen w\u00fcrde, als mein Oberk\u00f6rper so nach vorne gebeut ist \u2013 da fliegt das iPhone aus der Brusttasche. Und was mir in 20 Jahren beim SV Wacker nie gelungen ist, klappt hier \u2013&nbsp;mit den Lackschuhen \u2013 auf Anhieb. Per Direktabnahme \u2013 volley, beinahe mit Seitfallzieher \u2013 versenke ich es unhaltbar in der L\u00fccke zwischen U-Bahn und Bahnsteig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine emotionslose Stimme sagt \u201eAn Gleis 1 bitte nicht mehr einsteigen\u201c. D\u00fcdoD\u00fcdo \u2013&nbsp;ich erstarre vor der sich schlie\u00dfenden T\u00fcre. \u201eWas ist?\u201c fragt Susa, zeigt mir noch den Vogel durch die Glasscheibe, dann f\u00e4hrt Susa ab. Aus der Gruft schickt mir Bluetooth Adis Worte: \u201eWas Alter treibst Du da, ruf an, wenn Du Dich beruhigt hast \u2026\u201c Dann ist die Verbindung weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ich bin verzweifelt. Ich sinke auf dem Bahnsteig auf die Knie, lege das Katzenkissen neben mich. Ich muss Adi das erkl\u00e4ren und Susa. Bluetooth ist meine letzte Verbindung zur Welt. Ich wei\u00df, dass das geht, wie das geht. Tief durchatmen. Das haben wir gleich. Du tippst zweimal an den Kopfh\u00f6rer, sagst Hi Siri, dann sagst du, was du willst, und es passiert, dein iPhone macht das, auch wenn es da unten liegt \u2013 alles wird gut. Ich werde Adi anrufen, dann Susa, dann hole ich mein Handy aus dem Abgrund. Und in einer Stunde trinke ich bei Tante Mimi einen Espresso aus einem T\u00e4sschen aus feinstem Porzellan.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe bestimmte Telefonnummern so abgespeichert, dass damit eine Handlungsanweisung verbunden ist. Wenn man zum Beispiel das Call-Center der Telekom mit dem Vornamen \u201eNicht\u201c und dem Nachnamen \u201eabheben\u201c abspeichert, dann steht immer auf dem Display \u201enicht abheben\u201c, wenn das Call-Center anruft. Adi habe ich als \u201eLeck mich\u201c abgespeichert, was sich jetzt als Nachteil erweisen sollte. Aber damit rechnest du ja nicht, dass du mal am Bahnsteig kniest und \u201eHi Siri Leck mich\u201c ins Gleisbett rufst, mehrmals sogar, weil du das mit dem Tippen auf dem Kopfh\u00f6her noch nicht so raus hast. Hi Siri, Leck mich \u2013&nbsp;und wie das hallt in der U-Bahn. Irgendwann sagt Siri: \u201eMit dieser Funktion bin ich nicht ausgestattet.\u201c Vielleicht rufe ich besser Susa an. Sie ist unter \u201eSei lieb zu ihr\u201c abgespeichert. Ich rufe: \u201eHi Siri, sei lieb zu ihr\u201c. Siri fragt, zu wem sie lieb sein soll.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Digital Native spricht mich an und sagt ich soll mein Leben chillen, w\u00e4re doch alles in der Cloud und \u00fcberhaupt m\u00fcsse man gar nicht so schreien, das geht \u00fcber die Kopfh\u00f6rer \u2013 Digga.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vermutlich hat sie versucht zu helfen, wahrscheinlich wollte sie sogar nett sein. Aber das letzte, was Du in so einer Situation brauchst, ist jemand, der Digga zu dir sagt oder Bro oder chill dein Leben. Da unten im Gleisbett liegt meine Beziehung, meine Karriere und ich soll mein Leben chillen, weil alles in der Cloud ist. M\u00f6chte die mal chillen sehen, ohne Handy.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Fuck man. Fuck, schreie ich ins Gleisbett, weil es schon egal ist. Wenn man Siri Leck mich gerufen hat, geht Fuck dann ganz leicht \u00fcber die Lippen. Und ich merke, wie ich mir ein Loch grabe in meiner Verzweiflung, sehe schon \u00fcberall nur noch VAG, VAG, VAG \u2013 egal wo ich hinschaue steht VAG \u2013&nbsp;zwar VAG geschrieben, aber f\u00fcr mich eben trotzdem Fuck. (*VAG = Verkehrs-Aktien-Gesellschaft N\u00fcrnberg).<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor ich ganz in meinem Loch versinke, zieht mich ein langhaariger hoch, Typ Rocker, \u201egeh mal weiter\u201c sagt er, \u201emachst dich zum Affen hier\u201c. \u201eIch muss meinen Chef anrufen\u201c \u2013 will ich ihm erkl\u00e4ren. Er dr\u00fcckt mir das Katzenkissen in die H\u00e4nde. \u201eEinen schei\u00df musst du\u201c sagt er, dreht sich um und hinten auf seiner Lederweste steht es auch gro\u00df: \u201eEinen Schei\u00df muss ich.\u201c Ich h\u00e4tte Adi unter \u201eEinen Schei\u00df muss ich\u201c abspeichern sollen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gedanke, einen Schei\u00df zu m\u00fcssen, gibt mir etwas Ruhe. Im Prinzip brauche ich nur mein Handy wieder, dann wird alles gut. Es scheint ja zu gehen, ich habe ja eben erst mit Siri gesprochen. Ich \u00fcberlege tats\u00e4chlich, ob ich einfach ins Gleisbett springe und es hole. Da steht \u201eGleisbereich betreten verboten. F\u00fcr Hilfe Notruf benutzen.\u201c Ich \u00fcberlege, ob es wirklich ein Notfall ist, wenn einem das Telefon runterf\u00e4llt.\u201c Intuitiv taste ich nach Google, um genau das zu fragen, aber auch Google liegt im Gleisbett. Was nun? Ein Notruf? Ich denke ich warte auf die n\u00e4chste U-Bahn, dann frage ich den Fahrer. Die U-Bahn f\u00e4hrt ein \u2013 aber genau da wo ich den Fahrer erwartet habe, kleben 5 Kindergesichter an der Scheibe. VAG \u2013&nbsp;fahrerlos. Hilfe, Google wo bist du. Hilfe! Es ist ein Notfall. Adi k\u00f6nnte einen Herzinfarkt kriegen, meine Beziehung ist in Gefahr, es k\u00f6nnte der Anfang meines sozialen Abstiegs sein. Man kann auch digital sterben. Also Notruf: \u201eUnternehmen Sie nichts, in 15 Minuten ist jemand da\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Unternehmen sie nichts? Was soll ich denn unternehmen? Ich kann meinen Insta-Account nicht checken, meinen Kontostand, die aktuellen Heiz\u00f6lpreise, mein Italienisch-Sprachkurs, mein ETF-Fond, meine Podcasts, YouTube, den Status meiner Amazon Bestellung, meine B\u00fccher, meine Fotos, alles im Gleisbett \u2013 und in der Cloud, Digga. 15 Minuten warten, 15 Minuten, solange war ich noch nie hier und schon gar nicht mit leeren Taschen, ohne mein 16:9 Fenster ins Wunderland, ohne Entertainment, ohne Mailprogramm, ohne Zugang zum Weltwissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich k\u00f6nnte jemanden fragen, ob ich telefonieren darf, einmal kurz das Handy benutzen, \u201ew\u00e4re echt supi und ich gebe es safe gleich zur\u00fcck\u201c. Aber ich kenne Susas Nummer gar nicht. Da steht unter Favoriten \u201eSei lieb zu ihr\u201c und da gehst Du mit dem Daumen drauf und dann klingelt es bei ihr, bzw. Marianne Rosenberg singt dann: \u201eLiebe kann so weh tun, doch sie gibt auch viel\u201c. Und Marianne singt nur, wenn ich anrufe!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich k\u00f6nnte h\u00f6chstens meine Eltern anrufen. Jene Nummer w\u00e4hlen, die man mir in meiner Kindheit eingebl\u00e4ut, auf den Arm geschrieben und um den Hals geh\u00e4ngt hat. Ich w\u00fcrde dann neben jemandem stehen, der sehns\u00fcchtig auf sein Handy wartet und sage \u201eMama ich bin es, mir ist mein Handy in den U-Bahnschacht gefallen.\u201c Aber das ist gar nicht das Schlimmste.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fcrzlich erst sa\u00df ich auf der elterlichen Couch und habe eindringlich gesagt: Mama, Papa \u2013&nbsp;also wegen dieser k\u00fcnstlichen Intelligenz. Wenn jemand anruft, von einer fremden Nummer, und sagt, ich bin es, Euer Sohn, mir ist etwas bl\u00f6des passiert \u2013 Glaubt ihm kein Wort. Und Mama hat gesagt \u201eAber Junge, ich erkenne dich immer, ich bin deine Mutter.\u201c Und ich habe gesagt Mutter, ich meine es ernst, auf keinen Fall, h\u00f6rst Du. Du gibst keine Daten raus, \u00fcberweist kein Geld \u2013 \u201eAm besten informierst du gleich die Polizei.\u201c Also doch lieber warten \u2013&nbsp;Notruf ist ja abgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und da stehst Du. Hast nichts zu tun. Warten. Wann hast du das letzte Mal so richtig gewartet. Du siehst den Rolltreppen beim Rollen zu, den Lichtern beim Leuchten. Ohne die Kopfh\u00f6rer h\u00f6rst du alles \u2013&nbsp;du h\u00f6rst die Schritte schreiten, wie Durchsagen durchgesagt werden. Du siehst nach oben, wo du sonst nie hinschaust, du siehst dem Aufzug in seinem Glask\u00e4fig beim Runterkommen und Rauffahren zu. Und da liegt ja der Fernsehturm, hinter dem Gleisbett \u2013 warum hast du noch nie gesehen, dass da der Fernsehturm an die Wand gekachelt ist. Du l\u00e4ufst den Fernsehturm hoch und du l\u00e4ufst den Fernsehturm wieder runter. Du siehst Leute ein und aussteigen, von A nach B rennen und fragst dich, wo sie hin wollen, warum sie das machen. Du \u00e4rgerst Dich ein wenig, \u00fcber diese komischen Gedanken, die da im Warten, beim Warten aufkommen. Jetzt blo\u00df nicht noch irgendwelche Sinnfragen. Wenn ich mein Handy wieder hab, bin ich wieder dabei, dann steige ich in den Zug, dann fahre ich wieder mit, dann sitzt mein Leben wieder auf dem Gleis.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDein Handy liegt im Gleisbett\u201c spricht mich jemand an. Ein drahtiger \u00e4lter Herr, ein systemrelevanter, ein Macher mit Uniform und VAG Aufn\u00e4her. Jemand, der gebraucht wird, denke ich, niemand, der mit Pr\u00e4sis andere kreativ wegblasen muss. \u201eWoher wissen Sie das\u201c frage ich zur\u00fcck. \u201eDu bist der Einzige weit und breit, der keins in der Hand hat\u201c, antwortet er.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Er erz\u00e4hlt mir, als Kind sei ihm auch mal ein Walkman da runtergefallen. \u201eEin Walkman\u2026\u201c wiederhole ich, und klinge unbeabsichtigt despektierlich. Aber ein Walkman ist eben ein Walkman, ein Ger\u00e4t, das ein Band von einer Spule auf eine andere Spule dreht. Aber da unten liegt mein Leben, meine Erinnerungen, meine externe Seele, mein gesammeltes Wissen, mein Elixier gegen Einsamkeit und Langeweile. \u201eWas haben Sie damals gemacht?\u201c frage ich ihn. \u201eja runtergesprungen sind wir und haben ihn geholt\u201c sagt er \u2013 \u201ewir waren noch anders drauf.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, damals, da waren sie anders drauf. Nicht solche Lutscher, will er sagen. Da standen aber nicht 50 Menschen am Gleis, die eine Videokamera haben. Und sie haben sie nicht nur dabei, sie haben sie auch alle schon in der Hand. Eine kleine Bewegung mit dem Daumen, und deine ganze Schmach wird aus allen Perspektiven festgehalten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und nicht nur das, du bist aus dem Schacht noch nicht wieder drau\u00dfen, da ist Dein Ungl\u00fcck schon auf dem Weg zu den ersten Satelliten, und von dort aus verbreitet es sich wie eine Explosion \u00fcber die ganze Welt. Du gehst viral, ein viraler Idiot, du wirst ein weltber\u00fchmter Handynichtfesthaltenk\u00f6nnendepp, ein zudickzumHochkletternTrottel, ein demistgarnichtspeinlichmensch ein armseliges W\u00fcrstchen halt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann kommst du da wirklich nicht wieder raus, weil du vor dem Bildschirm alles an Muskelmasse abgebaut hast, was man zum Tippen nicht braucht \u2013 und niemand hilft dir, weil sie alle weiter filmen wollen, weil dir ja vielleicht noch die Hose platzt oder irgendein Knopf am Hemd dem Druck nicht mehr standhalten kann. Nein, niemals. Aber er springt einfach hinunter. Eine Hand aufgest\u00fctzt am Bahnsteig und ab. Er reicht mir mein Handy und Schwups, ist er wieder oben, braucht nicht mal meine Hand. Ich sage danke. Er sagt: \u201eWenigstens zum Einsteigen in Zukunft einstecken.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Handy ist, bis auf einen Sprung im Display, in Ordnung. Von Susa 9 Text-Nachrichten, Adi hat 7 mal versucht anzurufen und eine Textnachricht geschickt, die aber nur aus Ausrufezeichen, Fragezeichen und einigen kotzenden Emojis besteht. Noch bevor ich mir Susas Nachrichten ansehen kann, blinkt Leck Mich auf dem Display auf, ich gehe trotzdem dran.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Adi m\u00f6chte wissen, ob ich den Schuss nicht geh\u00f6rt habe und ob ich noch alle Tassen im Schrank habe und ob ich noch alle Latten am Zaun habe. Ich komme nicht dazu zu antworten. \u201eDu musst heute nochmal reinkommen und das glattziehen\u201c sagt er, sonst w\u00e4re ich morgen nicht mit von der Partie. Was f\u00fcr eine Partie? Frage ich mich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Morgen ist in den Arschkriechen angesagt. Bei einem Kunden der glaubt, dass mit dem Budget jegliche Art von Wertsch\u00e4tzung mit abgegolten ist \u2013 und Adi droht mir damit, dass ich da nicht dabei sein darf. Ich muss laut lachen \u2013 voll mit Gl\u00fcckshormonen, weil ich mein Handy wieder habe lache ich laut und von ganz innen heraus \u2013 und erst mein Lachen irritiert Adi so, dass es ein Zeitfenster gibt, in dem ich auch mal was sagen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich h\u00f6re mich mit klarer, deutlicher, lauter Stimme sagen: \u201eEinen Schei\u00df muss ich, Adalbert, fick dich ins Knie. Denn Adi hei\u00dft eigentlich Adalbert und weil er seinen Eltern f\u00fcr diesen Namen ewig dankbar ist, geht mir der Satz runter wie Butter. Adalbert bringt Adi sofort auf die Palme und ich sage es nochmal, weil es so sch\u00f6n ist und so gut tut, \u201eEinen schei\u00df muss ich, Adalbert.\u201c Und Adalbert sagt, ich solle mir mal \u00fcberlegen, wie sehr ich an meinem Job h\u00e4nge. Und ja, das ist eine gute Idee sage ich \u2013 Hi Siri, Leck mich auflegen. Die U-Bahn f\u00e4hrt ein, einsteigen, zur\u00fcck aufs Gleis, 7 Stationen Zeit, um Susas Nachrichten zu lesen, mich auf Stand zu bringen, wie Adalbert sagen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Erste Nachricht von Susa: \u201eBist Du jetzt echt schon zu bl\u00f6d, um in die U-Bahn zu steigen? Sorry, aber ich bin maximal angepisst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hat von meinem Malheur offenbar nichts mitbekommen. Dennoch schade, dass sie ein Malheur gar nicht in Betracht zieht. Wenn etwas schief geht und ich bin involviert \u2013 selbst wenn es nur am Rande ist \u2013 ist f\u00fcr Susa die naheliegendste Erkl\u00e4rung immer meine Bl\u00f6dheit. Aber vielleicht hat sie auch einfach recht. Ich meine Du ziehst Dich an wie eine Presswurst. Du rennst mit arschglatten Lackschuhen, um eine U-Bahn zu erwischen, die alle 5 Minuten f\u00e4hrt \u2013 mit einem unfassbar h\u00e4sslichen Katzenkissen unterm Arm, verpackt in einem zu gro\u00dfen Karton \u2013 weil Amazon immer alles in viel zu gro\u00dfen Kartons liefert. Wie bl\u00f6d bist Du eigentlich. Die ganze Schei\u00dfe f\u00fcr den Geburtstag von Tante Mimi, die angeblich kein Brimborium braucht. Und dabei telefonierst Du auch noch mit Adalbert, weil Du meinst es w\u00e4re in irgendeiner Weise wichtig genau jetzt mit Adalbert zu telefonieren. Wie bl\u00f6d, geradezu bescheuert ist das?<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00e4chste Haltestelle Schweinau \u2013&nbsp;zweite ungelesene Nachricht von Susa: \u201eIch warte in Schweinau auf Dich.\u201c \u2013 Das ist wohl veraltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Dritte Nachricht: \u201eWo bist du? Hier f\u00e4hrt nur eine U-Bahn, was genau kann man da falsch machen. Langsam platzt mir der Kragen. Ich fahre jetzt zu Tante Mimi. Ich sag du hast Stress in der Arbeit und kommst so bald wie m\u00f6glich nach! Bring das in Ordnung!\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ich bin doch schon wieder auf dem Gleis. Was meint sie mit in Ordnung bringen. In welche Ordnung, in wessen Ordnung. Wer hat sich diese Ordnung ausgedacht. Bis wohin muss ich zur\u00fcckspulen?<\/p>\n\n\n\n<p>St. Leonhard \u2013 vierte Nachricht: \u201eIch stehe da wie ein Idiot, hab nicht mal das Geschenk. Danke daf\u00fcr!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wie steht Susa jetzt da? Ich sp\u00fcre, wie ich hier empfindlich reagiere. \u201eDanke daf\u00fcr\u201c! Ich sehe f\u00f6rmlich vor meinem geistigen Auge, wie sie das sagt. Mit gefletschten Z\u00e4hnen, den Kopf leicht schr\u00e4g und ein wenig gesch\u00fcttelt wird er dabei auch. Danke daf\u00fcr. Das wird Streit geben. Ich meine, sie hat ihren \u2013 in ihren Augen sowieso eher peinlichen \u2013 Freund unterwegs verloren und sie kann kein h\u00e4ssliches Katzenkissen als Geschenk \u00fcberreichen. Und? Wie steht sie da? Ich habe doch gerade am Bahnsteig kniend \u201eSiri Leck mich\u201c ins Gleisbett gebr\u00fcllt. Wahrscheinlich habe ich mich dabei digital verewigt. Aber wie steht denn die Susa da? Die arme Susa.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Rothenburger Stra\u00dfe \u2013 f\u00fcnfte Nachricht: Ein einsames Stinkefinger Emoji \u2013&nbsp;das Beste bis jetzt. Endlich etwas, was von Herzen kommt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sechste Nachricht: \u201eDu wei\u00dft gar nicht, was du verpasst, Tante Mimi hat alles gegeben, und du?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ah, doch, ich wei\u00df, was ich verpasse. Ist ja nicht mein erstes Familienfest. Und ich habe immer alles gegeben. Ich habe gegessen, bis es weht tut. Bis ich irgendwann m\u00f6glichst unauff\u00e4llig den Hosenknopf aufmachen musste, was Susas schnippische Schwester immer bemerkt und lautstark sagt: \u201eIrgendwann muss man sich auch mal wieder eine Hose kaufen, die passt.\u201c Und auch immer l\u00e4sst Onkel Willibald dann seinen Standardspruch los. \u201eWo rohe Kr\u00e4fte sinnlos walten, da kann kein Knopf die Hose halten.\u201c Und er ist auch der Einzige, der dar\u00fcber noch lacht. Und ich sage lieber gar nichts, damit ich mir keinen Tritt von Susa einfange. Tante Mimi versucht dann das letzte St\u00fcck Schweinebraten noch in irgendeinem Gast unterzubringen: \u201eJetzt esst halt des eine St\u00fcck noch, wird sie sagen, \u201eich habe extra bissl mehr gekauft, weil das letzte Mal hat es gerade so gereicht\u201c \u2013 und irgendjemand wird es essen und Tante Mimi wird beim n\u00e4chsten Mal noch \u201ebissl mehr\u201c kaufen, weil es hat ja wieder nur gerade so gereicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe doch auch, nein, gerade heute ganz besonders alles gegeben \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00e4rrer \u2013 siebte Nachricht: \u201eDu musst irgendwo noch Blumen f\u00fcr Tante Mimi besorgen, als Entschuldigung. Auf die 10 Minuten kommt es jetzt auch nicht mehr an.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ja genau. Was f\u00fcr eine geniale Idee. Ich habe vom Kniefall am Bahnsteig auf der hellen Hose schwarze Flecken an beiden Knien. Ich trage ein blaues Hemd mit Salzr\u00e4ndern! Ich klingle mit diesem d\u00e4mlichen Karton unterm Arm \u2013&nbsp;sage Sorry und wegen Arbeit und Adalbert und wichtige Pr\u00e4si und so. Und das letzte bisschen W\u00fcrde gebe ich dann an der T\u00fcre ab, in Form eines Blumenstrau\u00dfes von der Tankstelle. Das elendste St\u00fcck Brimborium \u00fcberhaupt! Einen Schei\u00df muss ich Blumen besorgen. Einen Schei\u00df muss ich!<\/p>\n\n\n\n<p>Opernhaus \u2013 achte Nachricht: \u201eIrgendwie habe ich schon immer gewusst, dass du nicht ganz rund l\u00e4ufst \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Bin ich ein Zahnrad im System, dass nicht ganz genau passt, aber es war kein anderes da? L\u00e4uft, aber eben nicht ganz rund?<\/p>\n\n\n\n<p>Hauptbahnhof \u2013 neunte Nachricht: \u201eBedeute ich Dir \u00fcberhaupt noch irgendwas?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind bei den Grundsatzfragen. Ich steige mal aus. Auf 10 Minuten kommt es ja nicht mehr an, sagt selbst Susa. Ich brauche frische Luft. Ich schaue den Menschen zu, hier am Hauptbahnhof sind sie alle, die Eiligen, die Z\u00fcge erreichen wollen. Die \u00fcber ihre Handys gebeugten Wartenden an den Haltestellen. Die Taxifahrer, die die Eilenden schnell nach irgendwo bringen. Die, die Erinnerungen und Momente suchen und sammeln und nat\u00fcrlich auch die, die nicht ganz rund laufen \u2013&nbsp;das ist also die Gruppe, zu der ich geh\u00f6re. Ich akzeptiere das und besorge Bier statt Blumen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich suche mir ein Pl\u00e4tzchen, wo ich dem Trubel zusehen kann, und mich anlehnen kann, an die starken Mauern der Stadt. Hier sitze ich jetzt, auf dem Aquarell-Katzen-Kissen von Tante Mimi, den Karton habe ich mit viel M\u00fche St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck in den orangen M\u00fclleimern entsorgt. Ich bringe das in Ordnung, so wie Susa es wollte. Ich \u00fcberlege mir, was mir wichtig ist. Ich laufe nicht mehr unrund, ich laufe erstmal gar nicht mehr.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sitze, trinke Bier. Irgendwann wird Susa schreiben, dass sie sich Sorgen macht, dass ich doch bitte heimkommen soll, dass wir das schon wieder hinkriegen. Adi wird erst morgen anrufen, ich solle nicht gleich eingeschnappt sein, er h\u00e4tte die Pr\u00e4si gefunden und glattgezogen. Wir w\u00fcrde das schon gemeinsam rocken. Aber will ich rocken, hinkriegen?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin m\u00fcde. Sehr m\u00fcde. Der Bahnhof verschwimmt zu einem animierten Aquarell mit vielen bewegten Punkten und Lichtern, verschwindet dann im Dunkel. Ich laufe durch einen Tunnel. Hinter mir die Ger\u00e4usche der U-Bahn. \u201eAn Gleis 1 Bitte nicht mehr einsteigen, D\u00fcdod\u00fcdo.\u201c \u00c4ngstlich drehe ich mich um, an der Scheibe, dort wo der Fahrer nicht mehr sitzt, Gesichter, Susa, Adalbert, Tante Mimi, ein paar ganz wichtige Kunden, Willibald, Susas schnippische Schwester, Katzenkissen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die U-Bahn f\u00e4hrt los, ich laufe so schnell wie es eben geht, in der engen Hose. Die U-Bahn f\u00e4hrt immer nur so schnell, dass ich gerade so nicht unter die R\u00e4der komme. Sie jagt mich von Station zu Station \u2013 und die Stationen haben seltsame Namen wie \u201eMimis Geburtstag\u201c, \u201eAdalberts Pr\u00e4si\u201c, \u201eKatzen-Kissen Platz\u201c. Ich bin v\u00f6llig au\u00dfer Atem.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Oben am Bahnsteig der Mann mit dem VAG Aufn\u00e4her. \u201eDu musst da raus\u201c \u2013 ruft er, aber ich habe keine Kraft. Ich schreie: \u201eEinen Schei\u00df muss ich, einen Schei\u00df muss ich\u201c. Jemand r\u00fcttelt an mir. \u201eGanz ruhig\u201c \u2013 sagt eine sanfte Stimme, sie kommt aus einer Uniform \u201esie m\u00fcssen gar nichts, es ist alles in Ordnung.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aber damit rechnest du ja nicht, dass du mal am Bahnsteig kniest und \u201eHi Siri Leck mich\u201c ins Gleisbett rufst, mehrmals sogar, weil du das mit dem Tippen auf dem Kopfh\u00f6her noch nicht so raus hast. 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