{"id":281,"date":"2025-10-21T16:11:20","date_gmt":"2025-10-21T16:11:20","guid":{"rendered":"https:\/\/okej.blog\/?p=281"},"modified":"2025-11-26T08:19:29","modified_gmt":"2025-11-26T08:19:29","slug":"zwei-tage-gemeinsam-gegen-die-einsamkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/okej.blog\/index.php\/2025\/10\/21\/zwei-tage-gemeinsam-gegen-die-einsamkeit\/","title":{"rendered":"GEMEINSAM GEGEN DIE EINSAMKEIT"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Zwei Tage gemeinsam gegen die Einsamkeit<\/strong><strong>?&nbsp;<\/strong><strong>An der Universit\u00e4t Ulm hat Johannes Rein ein interessantes Projekt betreut: Vier Studierende haben sich zusam<\/strong><strong>mengefunden, um eine L\u00f6sung f\u00fcr ein wachsendes Problem zu finden, die Einsamkeit. Unter dem Arbeitstitel&nbsp;<\/strong><strong>\u201eCampus 2027 \u2013 Wie eine Plattform das studentische Miteinander revolutionierte\u201c haben sie nach dem Vorge<\/strong><strong>hensmodell des Design Thinking in nur zwei Workshoptagen einen Figma-Prototypen gebaut, also die interaktive&nbsp;<\/strong><strong>Simulation einer App.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><img>Jeder kennt sie zumindest ein bisschen. Selbst gew\u00e4hlt, in den richtigen Mengen, genie\u00dft man sie&nbsp;sogar manchmal ganz gerne, sucht sie, sehnt sich nach ihr. Aber meist kommt sie einfach so, schleichend, ungewollt. Nicht in herrlichen Landschaften, auf Gipfeln oder wilden Fl\u00fcssen. Sie versteckt&nbsp;sich zwischen unz\u00e4hligen Followern und Likes, sie sitzt in vollen Stra\u00dfenbahnen, steht im Supermarkt&nbsp;an der Kasse, schwebt \u00fcber dem Campus von Universit\u00e4ten.&nbsp;Einsamkeit ist ein gro\u00dfes gesellschaftliches Problem. Es ist nicht sch\u00f6n, sich alleingelassen zu f\u00fchlen, und es ist nicht gesund. Vielleicht sogar unges\u00fcnder als Rauchen oder \u00dcbergewicht \u2013 vielleicht&nbsp;kommt auch das eine zum anderen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size\"><mark style=\"background-color:#ffffff\" class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">\u201e<em>Menschen, die chronisch einsam sind, haben eine geringere&nbsp;Lebenserwartung. Sie erkranken h\u00e4ufiger an Depressionen,&nbsp;an Demenz, an Herz-Kreislauf-Problemen. Einsamkeit f\u00f6rdert&nbsp;Entz\u00fcndungsprozesse im K\u00f6rper. Und nur zum Vergleich: Chronische&nbsp;Einsamkeit kann sch\u00e4dlicher sein als \u00dcbergewicht, sch\u00e4dlicher als&nbsp;Rauchen, wenn es um die Lebenserwartung geht. Sch\u00e4dlicher als&nbsp;f\u00fcnfzehn Zigaretten am Tag.\u201c<\/em><\/mark><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">(SZ: 8.5.2025)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Es gibt ein Bewusstsein f\u00fcr das Problem. Das Bundesfamilienministerium hat im Jahr 2025 ein neues&nbsp;Programm vorgestellt, in dem Projekte gegen Einsamkeit mit drei Millionen Euro gef\u00f6rdert werden.&nbsp;Ein Einsamkeitsbarometer wurde erstellt und ist online Abrufbar, Hotline-Nummern wurden eingerichtet, es gab Aktionswochen, Vortr\u00e4ge und Mahnungen, dass die Demokratie gef\u00e4hrdet sei, wenn die&nbsp;Gesellschaft vereinsamt. Man wird das Gef\u00fchl nicht los, dass es mal wieder um die Einsamen ging&nbsp;und \u00fcber die Einsamen \u2013 aber mit den Einsamen selbst hat man nicht gesprochen. Was brauchen sie,&nbsp;was w\u00fcnschen sie sich, was fehlt ihnen f\u00fcr die richtigen Schritte aus der Einsamkeit heraus?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Mit den Betroffenen haben die vier Studenten der Universit\u00e4t Ulm gesprochen. Denn auch in der&nbsp;Studienzeit \u2013 die in den K\u00f6pfen oft mit Partys und Geselligkeit verbunden wird \u2013 ist Einsamkeit ein&nbsp;allt\u00e4gliches Ph\u00e4nomen. Aber warum f\u00fchlen sich junge Menschen heute einsamer als fr\u00fcher? Dieser&nbsp;Frage sind die Studierenden in ihren Interviews nachgegangen und haben in einem Kreativit\u00e4tsprozess L\u00f6sungen erarbeitet. Auf dieser Grundlage haben sie in nur zwei Tagen einen ersten Figma Prototyp f\u00fcr eine hybride Community-Plattform entwickelt und sich ausgemalt, wie sich das Studentenleben durch ihre Ideen ver\u00e4ndern wird.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size\"><mark style=\"background-color:#ffffff\" class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\"><em>Zahlen vom Bundesinstitut f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsforschung zeigen,&nbsp;dass sich 44 Prozent der 19- bis 29-J\u00e4hrigen zumindest teilweise&nbsp;einsam f\u00fchlen.Nach einer repr\u00e4sentativen Umfrage der&nbsp;Bertelsmann Stiftung vom M\u00e4rz 2024 f\u00fchlen sich sogar 46% der16 bis 30 J\u00e4hrigen einsam.<\/em>&nbsp;<\/mark><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Blick in die Zukunft \u2013 die Welt der Studierenden im Sommer 2027<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Ein normaler Mittwoch im Juni 2027, die Geb\u00e4ude werfen bereits lange Schatten auf den Rasen zwischen den Fachbereichen. Man lacht viel auf dem Campus der Universit\u00e4t Ulm, trinkt Kaffee, es wird&nbsp;viel geplant, besprochen und ausgemacht. Wie geht es mit den Projektarbeiten weiter, wo findet&nbsp;die Lerngruppe statt, wann beginnt der Themenspaziergang durch Ulm, eine kleine Feier, das interkulturelle gemeinsame Kochen, Lyrik-Kreis, Sprach-Tandem, Kletterpartner, Chor und verschiedenste&nbsp;andere Dinge. Eines haben alle diese Aktivit\u00e4ten jedoch gemeinsam: Ihren Anfang haben sie auf&nbsp;einer hybriden Community-Plattform gefunden, die mittlerweile deutschlandweit fester Bestandteil&nbsp;des studentischen Alltags an Hochschulen geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Vor wenigen Jahren als Antwort auf die wachsende soziale Vereinsamung junger Menschen ins Leben gerufen, hat sie sich zur meistgenutzten studentischen Vernetzungsplattform entwickelt. Mit nur&nbsp;wenigen Klicks finden Studierende hier Menschen mit \u00e4hnlichen Interessen, Studienrichtungen oder&nbsp;auch ganz anderen Hintergr\u00fcnden \u2013 um gemeinsam zu lernen, Sport zu treiben oder um einfach bei&nbsp;einem Spaziergang ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Hochschulen bewerben den Service auf ihren Einf\u00fchrungsveranstaltungen und binden ihn gezielt in psychologische Beratungsangebote sowie Orientierungsprogramme ein. Die Plattform wirkt weit \u00fcber das Digitale hinaus: Sie f\u00f6rdert einfaches (niedrigschwelliges) Kennenlernen, erlaubt spontane Treffen in realen Gruppenr\u00e4umen oder Caf\u00e9s und&nbsp;neue Formate f\u00fcr Begegnungen hervorgebracht \u2013 ob beim \u201eOpen Library Walk\u201c oder interkulturellen&nbsp;Kochtreffen. Insbesondere f\u00fcr die j\u00fcngeren Studierenden hat sich das digitale Tool zu einem lebensnahen Anker entwickelt \u2013 und ist ein so selbstverst\u00e4ndlicher Teil des Studentenlebens, wie das Vorlesungsverzeichnis und die Wohnungssuche.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Unglaublich!<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wie schnell sich das neue Netzwerk-Format nicht nur technisch durchgesetzt hat, sondern emotional&nbsp;Wirkung zeigte. Schon nach einem Semester war die Community pr\u00e4senter als erwartet: Freundschaften entstehen hier nicht trotz, sondern gerade wegen strukturierter digitaler Angebote. \u00dcberfachliche&nbsp;Veranstaltungen und gezielte Peer-Gruppen bilden das Fundament f\u00fcr neue, ehrliche Beziehungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Der Versuch, soziale Isolation fr\u00fchzeitig abzufangen, ist gelungen \u2013 die Plattform wurde zur Br\u00fccke,&nbsp;nicht zur Mauer. Erstaunlich war zudem, wie akzeptiert und selbstverst\u00e4ndlich solche Tools inzwischen geworden sind. Wo fr\u00fcher Zur\u00fcckhaltung gegen\u00fcber \u201esozialem Matching\u201c herrschte, hat sich&nbsp;die Erkenntnis verbreitet, dass digitale Formate soziale Prozesse nicht ersetzen, sondern erm\u00f6glichen&nbsp;k\u00f6nnen \u2013 wenn sie intelligent gestaltet werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>R\u00fcckw\u00e4rts Staunen!<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wie vielen jungen Menschen es nur an dem \u201eersten Schritt\u201c fehlte! Die Plattform liefert diesen Schritt&nbsp;in Form kurzer, strukturierter Vorschl\u00e4ge: \u201eTriff dich mit XY zu einem thematischen Spaziergang\u201c oder&nbsp;\u201eNimm an einer offenen Lerngruppe zum Thema Nachhaltigkeit teil\u201c. Was fr\u00fcher \u00dcberwindung kostete, ist heute Teil einer offenen, freundlichen Campus-Kultur geworden. Erstaunlich ist auch die Vielfalt&nbsp;und Tiefe der gefundenen Verbindungen. Viele der heute existierenden Lerngruppen, Projekt-Teams&nbsp;und Freizeitgemeinschaften fanden ihren Anfang \u00fcber die Plattform. Besonders ermutigend: Die Technologie hilft, soziale und kulturelle Barrieren zu \u00fcberwinden. Internationale Studierende berichten&nbsp;davon, wie viel leichter ihnen der Einstieg fiel \u2013 sie wurden gezielt einbezogen, fanden Sprach-Tandems oder gemeinsame interkulturelle Initiativen.&nbsp;Wenn wir zur\u00fcckblicken, erkennen wir: Das studierende Leben hat einen nachhaltigen Wandel erfahren. Nicht durch mehr Individualisierung, sondern durch das bewusste F\u00f6rdern von Begegnung und&nbsp;Gemeinschaft. Und das, so zeigt sich jetzt, war nicht nur dringend notwendig \u2013 sondern auch erstaunlich einfach.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Rein<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Universit\u00e4t Ulm hat Johannes Rein ein interessantes Projekt betreut: Vier Studierende haben sich zusammengefunden, um eine L\u00f6sung f\u00fcr ein wachsendes Problem zu finden, die Einsamkeit. 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