{"id":659,"date":"2026-01-08T12:20:50","date_gmt":"2026-01-08T12:20:50","guid":{"rendered":"https:\/\/okej.blog\/?p=659"},"modified":"2026-01-08T12:48:56","modified_gmt":"2026-01-08T12:48:56","slug":"wer-fuehren-will-muss-loslassen-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/okej.blog\/index.php\/2026\/01\/08\/wer-fuehren-will-muss-loslassen-koennen\/","title":{"rendered":"Wer f\u00fchren will, muss loslassen k\u00f6nnen!"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"577\" src=\"https:\/\/okej.blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Fuehrung-1024x577.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-648\" srcset=\"https:\/\/okej.blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Fuehrung-1024x577.png 1024w, https:\/\/okej.blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Fuehrung-300x169.png 300w, https:\/\/okej.blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Fuehrung-768x433.png 768w, https:\/\/okej.blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Fuehrung-1536x865.png 1536w, https:\/\/okej.blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Fuehrung-720x405.png 720w, https:\/\/okej.blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Fuehrung-520x293.png 520w, https:\/\/okej.blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Fuehrung-320x180.png 320w, https:\/\/okej.blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Fuehrung.png 1662w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Es lohnt sich ein Blick zur\u00fcck, um zu verstehen, warum man heute da ist, wo man ist. Das deutsche Wort \u201eF\u00fchren\u201c geht auf althochdeutsch \u201efuoren\u201c zur\u00fcck, was \u201ef\u00fchren\/geleiten\u201c im Sinne von vorangehen und begleiten ausdr\u00fcckte. In dieser urspr\u00fcnglichen Bedeutung ist es h\u00e4ufig im Kontext von Bewegung und Zielorientierung zu finden \u2013 also vormachen, verantworten und sch\u00fctzen. Keine inhaltliche Verbindung bestand hingegen zu Hierarchie, Macht oder Kontrolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u00e4nderte sich mit der Industrialisierung. Neu entstehende Rahmenbedingung wie Arbeitsteilung, Fabriken, Massenproduktion und die Trennung von Eigentum, Wissen und Arbeit f\u00fchrten zu formalen Hierarchien, Managementfunktionen und Regeln. Der Begriff \u201eF\u00fchrung\u201c begann sich von seinem urspr\u00fcnglichen Sinn zu entfernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute, wenn in Deutschland von F\u00fchrung gesprochen wird, gehen alle m\u00f6glichen Bilder auf. Der einem mag sofort einen Choleriker aus derer Chefetage vor Augen haben, der andere sieht sich im Museum von Schaukasten zu Schaukasten laufen, so mancher denkt vielleicht an ein Abenteuer in den Bergen. Aber was ist \u2013 bzw. was sollte F\u00fchrung idealerweise sein?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beziehungen gestalten, um gemeinsam Ergebnisse und Ziele zu erreichen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es geht nicht um Kontrolle, nicht um das Erreichen von Status, und schon gar nicht um Machtspielchen, ausgetragen als kleine Seitenhiebe bei kurzen Begegnungen im B\u00fcroflur. F\u00fchrung sollte heute gleichbedeutend sein mit: Beziehungen aufbauen, positiv beeinflussen, Orientierung geben und Verantwortung in einem gemeinsamen Prozess \u00fcbernehmen. Das klingt erstmal einfach, tats\u00e4chlich wirkt der Begriff F\u00fchrung in der Praxis aber unklar und \u00fcberdehnt. Das liegt sicher an den unterschiedlichen Arten, wie F\u00fchrung gelebt und vorgelebt wird. Aber es fehlt auch an einer Pr\u00e4zisierung, die mit diesem einen Sammelbegriff nicht geleistet werden kann.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sich in Deutschland alle Dimensionen von F\u00fchrung in diesem einem Wort<br>wiederfinden, wird international klar unterschieden zwischen:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Leadership = Inspiration, Vision, Menschenf\u00fchrung<\/strong><br><strong><br>Management = Planung, Regelung, Organisation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich heute differenziert ausdr\u00fccken will und eine klare Vorstellung von den gew\u00fcnschten Anforderungen und Aufgaben hat, spricht bewusst von Leadership und Management. Tats\u00e4chlich finden sich in viele Texten auch die Begriffe \u201eF\u00fchrungskr\u00e4fte\u201c, \u201eManagement\u201c oder \u201eLeitung\u201c \u2014 ihr Gebrauch ist jedoch oft situationsbedingt und folgt nicht der Absicht einer tiefergehenden Unterscheidung.<\/p>\n\n\n\n<p>In Stellenausschreibungen und deutschen Unternehmen dominiert h\u00e4ufig der Begriff \u201eManagement\u201c bzw. \u201eManagementfunktionen\u201c, wenn es um organisatorische Leitung und Steuerung geht. Wenn es um Mitarbeitende, F\u00fchrung von Teams, Kultur und Motivation geht, wird oft \u201eF\u00fchrungskraft\u201c oder \u201eF\u00fchrung\u201c verwendet. \u201eLeadership\u201c taucht meist nur in Kontexten auf, wo bewusst zwischen Management- und Leadership unterschieden wird<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Leadership f\u00fchrt durch Empowerment, Management schafft Strukturen&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Empowerment bef\u00e4higt Mitarbeitende, l\u00e4sst sie mitbestimmen, Verantwortung tragen, mitgestalten. Der Fokus liegt auf Vertrauen, Autonomie, Entwicklung und Beteiligung. Das ist mehr als nette Folklore: Es ist ein Modell, das auf Beziehung, Respekt und Selbstorganisation baut. Es dominiert das Gef\u00fchl, \u201eMan traut mir etwas zu\u201c \u2013 statt \u201eEs wird kontrolliert, ob ich arbeite\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Empowerment-orientierte F\u00fchrung bedeutet:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Verantwortung \u00fcbergeben<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Autonomie erm\u00f6glichen<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mitarbeitende beteiligen &amp; entwickeln<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hierarchien flexibilisieren<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Schermuly hat mit dem Buch&nbsp;<em>New Work &#8211; Gute Arbeit gestalten<\/em>&nbsp;eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit New Work, Empowerment und moderner Arbeitsgestaltung geliefert. In seinem Ansatz definiert er \u201egute Arbeit\u201c durch vier zentrale Faktoren: Kompetenz, Selbstbestimmung, Einflussnahme und Sinn\/ Bedeutsamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Er betrachtet Empowerment nicht als Schlagwort, sondern als psychologische Gr\u00f6\u00dfe: Wenn Mitarbeitende das Gef\u00fchl haben, kompetent zu sein, mitbestimmen zu k\u00f6nnen, echten Einfluss und Sinn zu haben \u2014 dann steigt Motivation, Bindung, Innovationskraft und psychisches Wohlbefinden.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser zukunfts- und menschenorientierten Art der F\u00fchrung \u2013 oder sagen wir besser von Leadership \u2013 stehen nat\u00fcrlich auch klassisch-professionelle Ans\u00e4tze gegen\u00fcber, nachzulesen zum Beispiel bei Fredmund Malik in seinem Buch&nbsp;<em>F\u00fchren, Leisten, Leben<\/em>. Auch wenn hier im Titel das Wort \u201eF\u00fchren\u201c zu finden ist, so ist in und rund um Maliks Buch doch auch viel von Management die Rede. Er sieht F\u00fchrung als einen erlernbaren Beruf, keine Zauberei, kein Charisma, sondern klare Strukturen, Ergebnisorientierung, Regeln &amp; Verantwortung. Malik ist das Schweizer Taschenmesser: ordentlich, pr\u00e4zise, verl\u00e4sslich \u2013&nbsp;der Fokus liegt auf Klarheit, Effizienz, Zielorientierung und Kontrolle. F\u00fchrung \u2013 oder sagen wir besser Management \u2013 als klare Vorgabe von Regeln und Strukturen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fchrung verlangt auch nicht die Abschaffung von Strukturen. Aber der Fokus muss auf dem Menschen liegen, auf der Kunst, Beziehungen zu gestalten. Wie viel Freiraum und wieviel Leitplanke jemand braucht, ist letztlich individuell verschieden und von der jeweiligen Erfahrung abh\u00e4ngig. Wenn F\u00fchrung gelingen soll, braucht es die n\u00f6tige Empathie, dies zu erkennen, und manchmal auch die Bereitschaft, sich zwischen Chaos und gesundem Menschenverstand zu bewegen. Erfolgreich f\u00fchrt man nicht einfach, weil man Chef\u201c ist, sondern weil man Verbindungen schafft, Bed\u00fcrfnisse erkennt und Potentiale f\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Rein, Rahim Arnold <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es lohnt sich ein Blick zur\u00fcck, um zu verstehen, warum man heute da ist, wo man ist. Das deutsche Wort \u201eF\u00fchren\u201c geht auf althochdeutsch \u201efuoren\u201c zur\u00fcck, was \u201ef\u00fchren\/geleiten\u201c im Sinne von vorangehen und begleiten ausdr\u00fcckte. 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