Wer führen will, muss loslassen können!

Es lohnt sich ein Blick zurück, um zu verstehen, warum man heute da ist, wo man ist. Das deutsche Wort „Führen“ geht auf althochdeutsch „fuoren“ zurück, was „führen/geleiten“ im Sinne von vorangehen und begleiten ausdrückte. In dieser ursprünglichen Bedeutung ist es häufig im Kontext von Bewegung und Zielorientierung zu finden – also vormachen, verantworten und schützen. Keine inhaltliche Verbindung bestand hingegen zu Hierarchie, Macht oder Kontrolle.

Das änderte sich mit der Industrialisierung. Neu entstehende Rahmenbedingung wie Arbeitsteilung, Fabriken, Massenproduktion und die Trennung von Eigentum, Wissen und Arbeit führten zu formalen Hierarchien, Managementfunktionen und Regeln. Der Begriff „Führung“ begann sich von seinem ursprünglichen Sinn zu entfernen.

Heute, wenn in Deutschland von Führung gesprochen wird, gehen alle möglichen Bilder auf. Der einem mag sofort einen Choleriker aus derer Chefetage vor Augen haben, der andere sieht sich im Museum von Schaukasten zu Schaukasten laufen, so mancher denkt vielleicht an ein Abenteuer in den Bergen. Aber was ist – bzw. was sollte Führung idealerweise sein?

Beziehungen gestalten, um gemeinsam Ergebnisse und Ziele zu erreichen.

Es geht nicht um Kontrolle, nicht um das Erreichen von Status, und schon gar nicht um Machtspielchen, ausgetragen als kleine Seitenhiebe bei kurzen Begegnungen im Büroflur. Führung sollte heute gleichbedeutend sein mit: Beziehungen aufbauen, positiv beeinflussen, Orientierung geben und Verantwortung in einem gemeinsamen Prozess übernehmen. Das klingt erstmal einfach, tatsächlich wirkt der Begriff Führung in der Praxis aber unklar und überdehnt. Das liegt sicher an den unterschiedlichen Arten, wie Führung gelebt und vorgelebt wird. Aber es fehlt auch an einer Präzisierung, die mit diesem einen Sammelbegriff nicht geleistet werden kann.  

Während sich in Deutschland alle Dimensionen von Führung in diesem einem Wort
wiederfinden, wird international klar unterschieden zwischen:

Leadership = Inspiration, Vision, Menschenführung

Management = Planung, Regelung, Organisation

Wer sich heute differenziert ausdrücken will und eine klare Vorstellung von den gewünschten Anforderungen und Aufgaben hat, spricht bewusst von Leadership und Management. Tatsächlich finden sich in viele Texten auch die Begriffe „Führungskräfte“, „Management“ oder „Leitung“ — ihr Gebrauch ist jedoch oft situationsbedingt und folgt nicht der Absicht einer tiefergehenden Unterscheidung.

In Stellenausschreibungen und deutschen Unternehmen dominiert häufig der Begriff „Management“ bzw. „Managementfunktionen“, wenn es um organisatorische Leitung und Steuerung geht. Wenn es um Mitarbeitende, Führung von Teams, Kultur und Motivation geht, wird oft „Führungskraft“ oder „Führung“ verwendet. „Leadership“ taucht meist nur in Kontexten auf, wo bewusst zwischen Management- und Leadership unterschieden wird

Leadership führt durch Empowerment, Management schafft Strukturen 

Empowerment befähigt Mitarbeitende, lässt sie mitbestimmen, Verantwortung tragen, mitgestalten. Der Fokus liegt auf Vertrauen, Autonomie, Entwicklung und Beteiligung. Das ist mehr als nette Folklore: Es ist ein Modell, das auf Beziehung, Respekt und Selbstorganisation baut. Es dominiert das Gefühl, „Man traut mir etwas zu“ – statt „Es wird kontrolliert, ob ich arbeite“.

Empowerment-orientierte Führung bedeutet:

•          Verantwortung übergeben

•          Autonomie ermöglichen

•          Mitarbeitende beteiligen & entwickeln

•          Hierarchien flexibilisieren

Prof. Dr. Schermuly hat mit dem Buch New Work – Gute Arbeit gestalten eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit New Work, Empowerment und moderner Arbeitsgestaltung geliefert. In seinem Ansatz definiert er „gute Arbeit“ durch vier zentrale Faktoren: Kompetenz, Selbstbestimmung, Einflussnahme und Sinn/ Bedeutsamkeit.

Er betrachtet Empowerment nicht als Schlagwort, sondern als psychologische Größe: Wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, kompetent zu sein, mitbestimmen zu können, echten Einfluss und Sinn zu haben — dann steigt Motivation, Bindung, Innovationskraft und psychisches Wohlbefinden.           

Dieser zukunfts- und menschenorientierten Art der Führung – oder sagen wir besser von Leadership – stehen natürlich auch klassisch-professionelle Ansätze gegenüber, nachzulesen zum Beispiel bei Fredmund Malik in seinem Buch Führen, Leisten, Leben. Auch wenn hier im Titel das Wort „Führen“ zu finden ist, so ist in und rund um Maliks Buch doch auch viel von Management die Rede. Er sieht Führung als einen erlernbaren Beruf, keine Zauberei, kein Charisma, sondern klare Strukturen, Ergebnisorientierung, Regeln & Verantwortung. Malik ist das Schweizer Taschenmesser: ordentlich, präzise, verlässlich – der Fokus liegt auf Klarheit, Effizienz, Zielorientierung und Kontrolle. Führung – oder sagen wir besser Management – als klare Vorgabe von Regeln und Strukturen. 

Führung verlangt auch nicht die Abschaffung von Strukturen. Aber der Fokus muss auf dem Menschen liegen, auf der Kunst, Beziehungen zu gestalten. Wie viel Freiraum und wieviel Leitplanke jemand braucht, ist letztlich individuell verschieden und von der jeweiligen Erfahrung abhängig. Wenn Führung gelingen soll, braucht es die nötige Empathie, dies zu erkennen, und manchmal auch die Bereitschaft, sich zwischen Chaos und gesundem Menschenverstand zu bewegen. Erfolgreich führt man nicht einfach, weil man Chef“ ist, sondern weil man Verbindungen schafft, Bedürfnisse erkennt und Potentiale fördert.

Johannes Rein, Rahim Arnold

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